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Diabetes - was ist das?

Medizinische Hinweise

1. Definition

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die auf Insulinresistenz oder Insulinmangel beruht und durch einen chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Sie ist mit einem deutlich
erhöhten Risiko für schwere Begleit- und Folgeerkrankungen verbunden.

2. Klassifikation nach ICD-10

   E10: Primär insulinabhängiger Diabetes mellitus (Typ-1-Diabetes)
   E11: Nicht primär insulinabhängiger Diabetes mellitus (Typ-2-Diabetes)

3. Pathophysiologie

Durch die anhaltend hohen Saccharidwerte im Blut werden Proteine des Blutplasmas in einer nicht-enzymatischen Glykierung (Amadori-Umlagerung) mit Saccharidresten versehen und teilweise damit
unbrauchbar oder lagern sich ab. Durch die hohe Konzentration von Zucker in nichtinsulinabhängigen Geweben kommen osmotische Organschädigungen (beispielsweise in der Augenlinse) vor.

Ursache des Diabetes mellitus ist immer ein Ausfall des glucotropen Regelkreises, der durch Störungen an verschiedenen Stellen bedingt sein kann.

4. Einteilung

Es werden mehrere Formen des Diabetes mellitus unterschieden, die nach einem Vorschlag der American Diabetes Association (ADA) folgendermaßen eingeteilt werden:

Einteilung des Diabetes mellitus Klasse (Typ)  Beschreibung

Typ     Beschreibung
1A      Insulinmangel, immunologisch
1B      Insulinmangel, idiopathisch
2        Insulinresistenz und simultane Funktionseinschränkung der Betazellen
3A       genetisch bedingte Betazellstörung
3B       genetisch bedingte Insulinresistenz
3C      pankreopriver Diabetes mellitus
3D       sekundär endokriner Diabetes mellitus
3E      Diabetes mellitus durch Chemikalien oder Drogen bedingt
3F      infektiös
3G      immunologisch
3H       andere genetische Syndrome
4         Gestationsdiabetes
Diese Einteilung entspricht seit 1998 auch den Empfehlungen der WHO.

4.1. Typ-1-Diabetes (ADA Klasse 1)
4.1.1. Definition


Der Typ-1-Diabetes beruht auf einem Mangel an Insulin infolge einer Zerstörung der insulinproduzierenden Beta-Zellen in den Langerhans'schen Inseln des Pankreas (Bauchspeicheldrüse). Am höchsten ist
die Neuerkrankungsrate bei Kindern zwischen 11 und 13 Jahren. Deshalb wurde der Typ 1 Diabetes früher auch als jugendlicher oder juveniler Diabetes bezeichnet.

4.1.2. Pathomechanismus

Als Ursache des Typ-1-Diabetes gilt heute das Zusammenwirken von erblicher Veranlagung und äußeren Faktoren (z.B. bestimmte Virusinfektionen) und einer Fehlsteuerung des Immunsystems. So sind
bestimmte weiße Blutkörperchen (T-Lymphozyten) beschrieben, die sich speziell gegen die Beta-Zellen richten; auch Antikörper gegen Beta-Zellen, gegen Glutamatdecarboxylase oder gegen Insulin lassen
sich bei Typ-1-Diabetikern nachweisen. In Folge der immunologischen Fehlfunktionen kommt es zum Untergang der insulinproduzierenden Zellen und zum absoluten Insulinmangel. Ohne Insulin kann jedoch Glukose kaum noch aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen werden.

4.1.3. Therapie
4.1.3.1 Basistherapie


  • Ernährungsumstellung

  • körperliche Beanspruchung

  • Stabilisierung der Stimmung (Umstellung des eigenen Umfelds)


4.1.3.2. Medikamentöse Therapie

  • konventionelle Insulintherapie (CT)

  • intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT)

  • kontinuierliche subkutane Insulin-Infusion (CSII, Insulinpumpe)


4.1.4. Sonderformen

  • LADA: Einen latent insulinpflichtigen Diabetes mellitus im Erwachsenenalter nennt man LADA (Latent Autoimmune Diabetes in Adults).

  • JODA: Als JODA (Juvenile-Onset Diabetes of the Adults) bezeichnet man einen ab dem 40. Lebensjahr auftretenden Diabetes vom Typ 1.


4.2. Typ-2-Diabetes (ADA Klasse 2)
4.2.1. Definition


Der Typ-2-Diabetes beruht in erster Linie auf einem verminderten Ansprechen der Körperzellen auf Insulin. Eine zweite notwendige Voraussetzung ist eine Funktionseinschränkung der Betazellen. Beide
Faktoren alleine würden noch keinen Diabetes verursachen, aber in der Kombination resultiert eine Störung der Glukose-Homöostase. Der Diabetes mellitus Typ 2 macht sich meist nach dem 40. Lebensjahr
erstmals bemerkbar und wurde deshalb früher auch als Altersdiabetes oder Alterszucker bezeichnet. Auslösende Faktoren könnten neben einer genetisch bedingten Prädisposition fettreiche Ernährung,
Übergewicht und Bewegungsmangel sein - meist führt eine Kombination dieser Risiken zum Ausbruch der Krankheit. In den letzten Jahren hat sich das Alter des ersten Auftretens des Diabetes zunehmend
nach unten verlagert, in bestimmten Populationen wird der Typ-2-Diabetes mitunter bereits bei Jugendlichen beobachtet.

4.2.2. Therapie
4.2.2.1. Basistherapie


  • Ernährungsumstellung mit dem Ziel der Gewichtsreduktion

  • körperliche Bewegung


Die körperliche Bewegung wird häufig in ihrer Bedeutung unterschätzt. Sie verbessert die Glukoseaufnahme und - verwertung in der Skelettmuskulatur und kann so entscheidend dazu beitragen, den
Blutzuckerspiegel zu senken.

4.2.2.2. Medikamentöse Therapie

  • orale Antidiabetika (OAD)

  • konventionelle Insulintherapie (CT) (auch kombiniert mit OAD)

  • intensivierte Insulintherapie (IT)

  • intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT)

  • insulinpumpentherapie (CSII)


Die Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft empfehlen bereits bei Diagnosestellung des Diabetes mellitus Typ 2 die Einleitung einer Therapie mit Metformin, solange keine Kontraindikation,
insbesondere Herz- Kreislauf-, Nieren- und Lebererkrankungen, besteht.

4.3. sonstige Formen (ADA Klasse 3)

Weitere Formen des Diabetes mellitus, die nicht dem Typ 1 oder dem Typ 2 zugerechnet werden, werden als Typ-3-Diabetes bezeichnet. Dazu zählen:

  • Diabetes durch genetische Defekte der Betazelle

  • Diabetes durch genetische Defekte der Insulinsekretion

  • Diabetes durch Erkrankungen des Pankreas (pankreopriver Diabetes)

  • Diabetes durch Endokrinopathien

  • Diabetes durch Medikamente oder Chemikalien

  • Diabetes durch Infektionen

  • ungewöhnliche Formen des immunvermittelten Diabetes

  • andere genetische Syndrome, die mit Diabetes assoziiert sind


Zu den genetischen Defekten der Betazelle zählt eine bereits bei Kindern auftretende Form des Diabetes mellitus, die dem Typ 2 ähnelt und in der Literatur als MODY (Maturity-Onset Diabetes of the Young)
bezeichnet wird.

4.4. Gestations- oder Schwangerschaftsdiabetes (ADA Klasse 4)

Ein erstmals während der Schwangerschaft auftretender Diabetes wird als Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes bezeichnet. Durch die vermehrt im Körper vorliegenden Steroidhormone wird die
Produktion von Insulin gehemmt, so dass die Blutzuckerwerte hormonabhängig stark steigen können. In der Regel verschwindet diese Form des Diabetes nach Beendigung der Schwangerschaft. Dabei ist
jedoch das Risiko für die spätere Entwicklung eines Typ-2- oder Typ-1-Diabetes stark erhöht.

5. Verlauf

Der Diabetes mellitus kann lange Zeit symptomfrei verlaufen, erst ab einer Erhöhung des Blutzuckers über einen kritischen Wert macht sich die Erkrankung klinisch bemerkbar. Die Symptome der
Hyperglykämie sind:

  • Allgemeinsymptome

  • Müdigkeit

  • Antriebsarmut

  • Kraftlosigkeit

  • Juckreiz

  • Gewichtsverlust

  • Durst, Polydipsie (krankhaft gesteigerter Durst)


  • Niere

  • Polyurie (häufiges Wasserlassen)

  • Glucosurie (Zucker im Urin)

   

  • Auge

  • Sehstörungen

  

  • Haut

  • Dermatitis (Entzündungen der Haut)

  • Wundheilungsstörungen

  • Necrobiosis lipoidica diabeticorum (diabetische Hauterkrankung)


  • Immunsystem

  • herabgesetzter Immunstatus mit häufigen Allgemeininfektionen

  • Harnwegsinfekte


  • Nervensystem

  • diabetische Neuropathie, insbesondere Polyneuropathie

  • Muskelfaszikulationen ("Muskelzittern")


Durst und Polyurie (erhöhte Harnproduktion) entstehen ab einem Blutzuckerspiegel von etwa 180 mg/dl (9,9 mmol/l) ["Nierenschwelle"]. Übersteigt der Blutzuckerspiegel diesen Wert, kann die Glukose in
der Niere nicht mehr vollständig rückresorbiert werden. Das führt zu einem Auftreten von Glukose im Urin (Glukosurie) und zu einem deutlichen Anstieg des Harnvolumens. Der Patient versucht den
Wasserverlust durch erhöhtes Trinken (Polydipsie) zu kompensieren.
Unbehandelt kann die Hyperglykämie zum diabetischen Koma führen.

6. Diagnostik

Die diagnostischen Maßnahmen zur Feststellung eines Diabetes mellitus umfassen unter anderem:

  • Bestimmung des Blutzuckerwerts (Nüchternblutzucker, postprandialer Blutzucker)

  • Bestimmung des Urinzuckers

  • Oraler Glukosetoleranztest (OGTT)

  • Bestimmung des C-Peptids

  • Bestimmung des HbA1c-Werts


7. Komplikationen

Bei langjährig bestehendem Diabetes können sich typische Komplikationen entwickeln, insbesondere wenn die Stoffwechsellage über längere Zeit schlecht eingestellt war. Die häufigste Komplikation ist die
diabetische Retinopathie, weitere unerwünschte Folgeerscheinungen sind die diabetische Nephropathie und das diabetische Fußsyndrom. Diese entstehen meist auf dem Boden einer diabetischen Angiopathie
und Polyneuropathie.

8. Leitlinien

  • Systematische Leitlinienrecherche und -bewertung sowie Extraktion neuer und relevanter Empfehlungen für das DMP Diabetes mellitus Typ 2 (IQWiG)

  • Leitlinie "Ernährungsempfehlungen zur Behandlung und Prävention des Diabetes mellitus" (PDF, Langfassung)

  • Leitlinie "Diabetes und Schwangerschaft" (PDF, Langfassung)


Quellenangabe: DocCheck-Flexikon (http://flexikon.doccheck.com/de/Diabetes_mellitus)

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